Lernen, Wissen zu erwerben setzt voraus, eine ausreichend breite Allgemeinbildung mit der Möglichkeit zu verbinden, eine kleinere Zahl an Disziplinen vertieft zu studieren. In gewisser Weise heißt das auch: Das Lernen lernen, um aus den Gelegenheiten, die ein lebenslanges Lernen bietet, seinen Nutzen zu ziehen.

Lernen, zu handeln bezieht sich nicht nur auf berufliche Qualifikationen, sondern auch auf die Kompetenz, sich auf neue Situationen einzustellen und im Team zu arbeiten. Dieser Punkt umfasst aber auch die praktische Anwendung des Gelernten im Rahmen der unterschiedlichsten Erfahrungen der Jugendlichen im sozialen und beruflichen Kontext (…).

Für das Lernen, zusammenzuleben ist es unerlässlich, Verständnis für andere zu entwickeln und gegenseitige, globale Abhängigkeiten zu erfassen, z.B. durch gemeinsame Projekte und Konfliktbewältigungsstrategien. Dabei sind so grundlegende Werte wie Pluralismus, wechselseitiges Verständnis und Frieden zu respektieren.

Für das Leben lernen schließlich bedeutet, die eigene Persönlichkeit besser zu entfalten und mit zunehmender Autonomie, größerem Urteilsvermögen und wachsendem Verantwortungsbewusstsein handeln zu können. Um dies zu erreichen, darf die Erziehung keines der jedem Individuum innewohnenden Potentiale vernachlässigen: Erinnerungsvermögen, Urteilskraft, Sinn für Ästhetik, manuelle Fertigkeiten, kommunikative Fähigkeiten.

Während die formalen Bildungssysteme dem Wissenserwerb als solchem Vorrang einräumen und andere Arten des Lernens eher vernachlässigen, ist es heute außerordentlich wichtig, Erziehung in ihrer Gesamtheit zu begreifen. Bildungsreformen sollten sich deshalb sowohl bei den Inhalten, als auch bei den Methoden an dieser Vision orientieren“

[aus: Lernfähigkeit: Unser verborgener Reichtum. UNESCO-Bericht zur Bildung für das 21. Jahrhundert. Hrsg. von der Deutschen UNESCO-Kommission. Neuwied; Kriftel; Berlin: Luchterhand, 1997, S. 83]